Zu aller erst möchte ich hier klar stellen, dass dies MEINE Sicht des Studiums ist. Wer mich kritisieren möchte – mir sagen möchte, ich sei keine geeignete Juristin oder wäre schlichtweg zu dumm für das Studium – der kann in diesem Moment bitte meine Homepage verlassen & sich seinen Kommentar kneifen. Denn wie der weise Klopfer einst sagte: Wenn man nichts nettes zu sagen hat soll man den Mund halten! 

Junge Menschen wissen nach ihrem Abitur nicht, was sie studieren sollen und Jura hört sich für die Meisten interessant an: als Jurist lässt sich zweifelsohne viel Geld verdienen und man genießt in der Gesellschaft ein hohes Prestige. Aber der Weg dorthin ist steinig und schwierig und viele wissen nicht, worauf sie sich dabei einlassen.

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Aber beginnen wir am Anfang – wieso weshalb warum ich überhaupt Jura studiere. Tatsächlich frage ich mich das heute noch, wie diese Idee in meinem Kopf entstanden ist. In meinem näheren Umfeld ist niemand Jurist, keiner hat einen großartigen Bezug dazu, es gibt keine Kanzlei die ich später mal übernehmen könnte oder ähnliche Chancen. Ich muss ungefähr 14 gewesen sein, es war in der 9. Klasse auf dem Gymnasium als meine Eltern das erste Mal nachhackten, was für berufliche Wünsche ich hätte. Für eine Ausbildung bräuchte ich mich nicht zwingend durch 3 Jahre Abitur kämpfen und nachdem ich als Kind Archtiket oder Archäologe werden wollte, war da in meinem Kopf auf einmal: Jura! Der Gedanke hat mich die nächsten Schuljahre auch nie los gelassen und ich habe immer mit entschiedener Entschlossenheit gesagt: „ich studiere Jura!“

Dann habe ich mein Abitur gemacht, ein durchschnittlicher Abischnitt, nichts weltbewegendes. Dann ging es an die Unibewerbungen und für mich stellte sich nicht die Frage, was ich studieren könnte oder ob ich einen Zweitwunsch angeben sollte. Ich wollte Jura studieren. Damit der Plan nicht schief ging habe ich mich im Sommer an 20 Unis in Deutschland beworben, von Hannover bis Münster über Köln bis nach Berlin. Entschieden habe ich mich dann letztendlich für Bremen, zwar nicht der beste Ruf, aber nah an meiner Familie und mit jungen 20 Jahren war ich einfach nicht bereit in die große weite Welt zu ziehen.

In meiner ersten Vorlesungn saßen dann knappe 350 Studenten. Unser Professor sagte zu uns: „gucken sie nach links – gucken sie nach rechts – diese zwei Studenten werden am Ende ihres Studiums, im Staatsexamen, nicht mehr dabei sein!“ Und soll ich euch etwas sagen? Er hatte Recht. Auch der Student vor mir und hinter mir haben es nicht bis zum Ende geschafft.

Am Anfang vom Jurastudium ist man maßlos überfordert, es wird mit Begriffen um sich geschlagen die man beim besten Willen nicht begreift und man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Auch die juristische Sprache bzw. Ausdrucksweise ist eine völlig andere als man im normalen Sprachgebrauch gewohnt ist. Wer mal einen juristischen Text ließt, wird sich im Anschluss fragen was mit dem Autor verkehrt ist. Es ist wirklich eine Welt für sich…

Viele denken „Jura ist das stumpfe auswendiglernen von Gesetzen“ – damit hat das ganze aber absolut null zu tun. Ich musste in meiner gesamten Studienzeit kein einziges Gesetz auswendig lernen. Bei Jura geht es vielmehr darum, Gesetze anzuwenden – verschiedene Tatbestände zu kombinieren, Verordnungen auszulegen. In den Vorlesungen werden Fallkonstellationen erörtert, deren Lösung meist nicht eindeutig sind und über die zum Teil auch heftig gestritten wird – diese Meinungsstreitigkeiten machen einen großen Bestandteil des Studiums aus. Man versucht ein Gespür für juristische Streitigkeiten zu erlangen, man lernt wie Gutachten erstellt werden und setzt sich mit aktueller Rechtsprechung auseinander.
In Deutschland gliedert sich das Studium in die drei großen Rechtsgebiete: Zivilrecht, öffentliches Recht und Strafrecht. Alle drei Gebiete werden das gesamte Studium über behandelt. Man beginnt mit dem Grundstudium – das geht für gewöhnlich nur 2-3 Semester. Das schließt man mit dem Zwischenprüfungszeugnis ab. Als junger Student ist das für einen zunächst das Größte ? In meiner ersten Klausur im öffentlichen Recht im ersten Semester hatten wir eine Durchfallquote von 60%. Sehr motivierend.

Darauf folgt das Hauptstudium, bis dahin haben 1/3 der Studenten schon abgebrochen. Das Hauptstudium umfasst 3-4 Semester. Das Semester gestaltet sich ungefähr so: man hat 4-6 Vorlesungen pro Woche, jeweils 2 Stunden lang. Ob du erscheinst oder nicht ist dem Professor meist relativ egal. Es gibt keine Hausaufgaben oder irgendwelche Ausarbeiten die du während des Semesters machen musst. Das Semester an sich ist also relativ entspannt. Am Ende des Semester stehen dann mehrere Klausuren und Hausarbeiten an. Für die Klausuren schließt du dich 3 Wochen Zuhause ein und hast am Ende das Gefühl, dass du die ganze Hintergrundmaterie trotzdem nicht verstanden hast ? Die Hausarbeiten haben sich bei uns immer aneinander gereiht. 3 Hausarbeiten für die man jeweils 2 Wochen Zeit hatte und am Ende 30 Seiten abliefern musste. Oft habe ich meine Freunde beneidet, die entspannte Studiengänge auf Bachelor-Abschluss studiert haben. Die hatten mehr Zeit, mehr Freiheit in ihren Hausarbeiten, konnten sich mit dem Prof absprechen und auch mal eine Abgabe um ein paar Tage verschieben.
Bei Jura ist das alles sehr gnadenlos. Da gibt es keine Schonfrist und dem Prof ist es auch ziemlich egal ob du mit dem Thema zurecht kommst oder nicht. Nachdem man seine Hausarbeit abgegeben hat, hat man dann 2-3 Monate auf sein Ergebnus gewartet & mit dem Ergebnis waren die wenigsten zufrieden.

Dazu muss man sagen, dass das juristische Benotungssystem 18 Punkte beträgt. Zwischen dem „gut“ und „befriedigend“ gibt es noch ein „vollbefriedigend“. Für die Jurastudenten gilt als erstes: 4 gewinnt ? mit 4 Punkten hat man nämlich bestanden. Mit 9 Punkten war man schon der Überflieger. Vergleichbar mit einem „sehr gut“ in der Schule. Ja, das sind gerade mal die Hälfte der möglichen Punktzahl. Und trotzdem schaffen es die wenigsten. Wir haben uns alle oft genug gefragt, wieso es ein 18-Punkte-System gibt, wenn es doch nie ausgereizt wird. „Weil das schon immer so war.“ ist die Antwort die man darauf bekommt.

Ich erkläre euch an dieser Stelle den „gewöhnlichen“ Gang nach dem Hauptstudium. Bei mir war alles etwas kreuz und quer, ich hab erst mein Staatesexamen geschrieben und dann den restlichen Teil an der Uni absolviert. Um euch das aber zu erklären müsste ich sooooo weit ausholen & dann sitzen wir nächste Woche noch hier ?

Nach dem Hauptstudium muss man sich für ein Rechtsgebiet entscheiden und macht noch 2 Semester sein Schwerpunktstudium. Das Schwerpunktstudium hat nichts damit zu tun, in welche Richtung man sich später als möglicher Rechtsanwalt spezialisiert. Du entscheidest dich einfach für das was du besonders gut kannst. Zur gleichen Zeit meldet man sich optimalerweise bei einem externen Repititorium an. Das ist ein Kurs der von spezialisierten Juristen angeboten wird und in dem examensrelevanter Stoff wiederholt wird. In den 5 Jahren Studium wird einfach SO viel Stoff behandelt, dass 99% der Studenten nicht Herr der Lage werden und ohne Hilfe von außen kläglich versagen würden. So ein Repititorium geht ein Jahr und kostet monatlich 150€. Ich habe während meiner Studienzeit keinen Studenten kennen gelernt, der sich das Examen ohne Repititorium zugetraut hat ? Das Jurastudium ist in Deutschland das einzige Studium, bei dem die Studenten so eine Hilfe in Anspruch nehmen und tief in die Tasche greifen – das sagt einiges über den Schwierigkeitsgrad des Staatsexamens aus.

Am Ende vom Schwerpunktstudium schreibt man in Bremen eine Schwerpunktshausarbeit und hat eine mündliche Prüfung. In einigen Bundesländern wird auch eine Klausur geschrieben. Das zusammen bildet den universitären Teil des Staatsexamens. Eine machbare Prüfung, die in den meisten Fällen auch recht gut genotet wird.

Nach dem Schwerpunktstudium ist man an der Uni fertig und ist auch meist kein Student mehr, sondern exmatrikuliert sich. Dann beginnt die heiße Phase der Vorbereitung auf das Staatsexamen. Einige trauen sich nach einem Jahr Repititorium schon zu das Examen zu schreiben – ich habe dafür noch ein knappes 3/4 Jahr zuhause gelernt, bis ich mich zum Staatsexamen angemeldet habe. Das Staatsexamen besteht aus 6 schriftlichen Klausuren die binnen 10 Tagen geschrieben werden und jeweils 5 Stunden gehen und einer mündlichen Prüfung, die 3 Stunden geht.

Für diese 6 Klausuren hat man nun also fast 2 Jahre gelernt. Die heiße Phase, die letzten 10 Wochen vor den Klausuren waren eine absolute Zerreißprobe für mich. Es gibt Studenten, die dem Druck nicht stand halten. Die an Burn-Out erkranken. Es gibt Studenten, die zu Riatlin greifen. Ritalin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das zur Behandlung von ADHS eingesetzt wird. Missbräuchlich genutzt steigert es die Aufmerksamkeitsfähigkeit und senkt die Müdigkeit, um so nächtelang für das Studium lernen zu können. Aber auch der „normale“ Student, ohne Drogenkonsum, lernt bis zu 10 Stunden am Tag. Man schließt sich zuhause ein, hat keine sozialen Kontakte mehr, man sitzt den ganzen Tag am Schreibtisch und ist froh, wenn man es irgendwie noch schafft, dass im Kühlschrank mehr als ein Glas Marmelade steht oder der Wäscheberg sich nicht bis unter die Decke stapelt.

Meine Mentorin erzählte mir einmal, dass sie in ihrer Examensvorbereitung zum Bäcker gegangen ist um sich schnell 2 Brötchen zum Frühstück zu kaufen. Vor ihr stand eine alte Dame, die sich für den Nachmittagskaffee zwei Stücke Kuchen kaufen wollte. Wie alte Menschen nun mal so sind – es dauert alles etwas länger und unterhalten tun sie sich auch mehr als ausgiebig. Also ist meine Mentorin ausgerastet und hat die alte Dame in der Bäckerei vor versammelter Kundschaft angeschrien und ist dann weinend nach Hause gelaufen.

Als ich die Geschichte hörte, da dachte ich: „okay – klarer Fall von Überreaktion. So schlimm kann es nicht sein.“ ? wie ich mich geirrt habe.
Die letzten 10 Wochen sahen ungefähr so aus: weinen, lachen, verzweifeln, weinen, schreinen, weinen, beruhigen, lachen, weinen, schreien, weinen. Ich saß am Schreibtisch und hatte solche Panik zu versagen, dass ich täglich geweint habe. Ich stand so enorm unter Druck, dass ich am Ende eine dicke fette Magenschleimhautentzündung davon bekommen habe. Eine Magenschleimhautentzündung entsteht durch die Übersäuerung des Magens, meistens infolge von Stress. ?

Das Wochenende vor meiner ersten Klausur am Montag war der blanke Horror. Mein Freund ist an dem Wochenende zu seinen Eltern gefahren, weil mich selbst das kleinste Geräusch völlig aus der Haut hat fahren lassen. Ich habe mich das Wochenende mehr auf der Toilette aufgehalten, als irgendwo anders – da ich mich aus Panik mehrfach übergeben musste. Ich hab mich mit Baldrian vollgepumpt, damit ich nachts überhaupt noch ein Auge zugemacht habe.

Dann ging es los: die 6 Klausuren. Für viele mag sich das nicht schwer anhören „joa, 6 Klausuren schreiben wir auch in der Schule“ – es wird aber der GESAMTE Stoff aus den 8 Semestern Studienzeit abgefragt. Jegliche aktuelle Rechtsprechung muss man drauf haben, man muss die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Rechtsprechung und der Litartur beherrschen und alles auch noch auf völlig neue Sachverhalte anwenden können. Man muss kein Genie sein, um das Staatsexamen zu bestehen – man braucht aber unheimlich viel Disziplin und Durchhaltevermögen.

Nach den Klausuren wartet man bis zu 5 Monate auf seine Ergebnisse. In meinem Durchlauf sind 40% durchgefallen und nur 25 von 180 Studenten haben eine Klausur im zweistelligen Bereich geschrieben. Meine Mama konnte immer nicht verstehen, wie ich mich im Studium über popelgie 9 Punkte gefreut habe – sie selbst ist Lehrerin und 9 Punkte sind halt nur befriedigend. Als ich ihr den Notenspiegel vom Staatsexamen zeigte, ist ihr nichts mehr eingefallen was sie dagegen noch einwenden konnte ?

Für das Staatsexamen hat man in der Regel zwei Versuche – danach ist man raus. Wenn man das Staatsexamen nicht schafft, dann hat man nichts mehr. Man hat 5 Jahre ohne Abschluss studiert, sehr viel Geld investiert und steht mit leeren Händen da. Von den 350 Studenten die wir im ersten Semester gewesen sind, haben es bis zum Examen vielleicht knappe 70 geschafft & davon schaffen gerade mal 50 ihr Staatsexamen. Das ist die bittere Realität.

Aber selbst wenn man das erste Staatsexamen gepackt hat, ist man noch weit entfernt davon eine Robe zu tragen. Denn nach dem ersten Staatsexamen folgt das zweijährige Referendariat, an dessen Ende ein weiterer Hammer wartet: das zweite Staatsexamen.
Und um das Übel perfekt zu machen, ist für eine gute Jobchance auch noch die Note aus beiden Staatsexamen wichtig. Rund 15% der Absolventen des Staatesxamen schaffen ein „Prädikatsexamen“ – das heißt 9 Punkte oder besser (ja, mit der Hälfte der möglichen Punkte hat man ein außergewöhnliches Examen – ich weiß nicht ob ich darüber lachen oder weinen soll ?) Diese 15% können sich ihren Job aussuchen – sie haben freie Wahl und gehören zur Elite der Juristen. In einer großen Anwaltskanzlei kann man mit diesem Abschluss bereits im ersten Jahr gut und gerne an die 100.000€ verdienen. Ob man das auch möchte, steht auf einem anderen Blatt..

Nach diesem Blogpost denken sich vermutlich die meisten von euch: „wieso studiert überhaupt noch jemand Jura?“ und auch wenn ich in diesem Studium geschätzte 10 Jahre gealtert bin und 93747292 Nerven verloren habe, ist es für mich trotzdem mein abosolutes Traumstudium. Nie habe ich daran gezweifelt, was ich da mache & nie habe ich gesagt: „so eine scheiße – ich schmeiße alles hin“. Egal wie hart und steinig der Weg bis hierhin war, ich bin trotzdem froh, dass ich ihn gegangen bin. Das wälzen in den Büchern, das lesen der Sachverhalte, Mord, Totschlag, Verträge, Mietrecht, Grundrechtseingriffe, Gesetzgebungsverfahren – all das macht mich glücklich. Ich finde absolut nicht, dass Jura trocken ist. Für mich wäre Mathe trocken – BWL – oder auch Dinge wie Mechanik, Physik, Chemie. Fürchterlich! Wenn man sich für etwas interessiert, wenn das Herz für eine Materie schlägt, dann kann dies niemals trocken sein.

Wenn man Jura studieren möchte, dann sollte einem klar sein für welchen Weg man sich entscheidet. Meiner Meinung nach packt man das Studium nur dann, wenn man von ganzem Herzen Bock auf Jura hat. Wenn man nur Jura studiert, damit man möglichst viel Geld später verdient, dann geht das oftmals schief.
Schnuppert in einem Praktikum bei einem Rechtsanwalt rein – geht zum Gericht und schaut euch Verhandlungen an (viele sind öffentich, da kann jeder ‚teilnehmen‘) – besorgt euch vielleicht sogar ein Buch aus dem 1. Semester und blättert mal durch. Wenn euer Herz dann immer noch dafür schlägt, dann macht es. Beißt euch durch & kämpft dafür! Das Studium hat nämlich am Ende null komma null mit dem späteren Beruf zu tun. Im Studium heißt es einfach: Arschbacken zusammenkneifen & machen!

Manchmal ist das Jurastudium aber auch amüsant.. Zum Abschluss ein kleiner Fall den eigentlich jeeeeder Jurastudent kennt:

A, B und C leben in einem von Mystizismus geprägten neurotischen Beziehungsgeflecht zusammen. Hierbei ist C mit dem leicht beeinflussbaren B befreundet, beide unterhalten jedoch auch eine Bekanntschaft zu A. C und A machen sich einen Spaß daraus, den B durch Tricks und allerlei mystische Kulthandlungen von der Existenz eines Katzenkönigs zu überzeugen, der angeblich die ganze Menschheit bedrohe und deshalb bekämpft werden müsse. Eines Tages erfährt C, dass ihre frühere Jugendliebe geheiratet hat und beschließt, die Ehefrau ihres früheren Freundes aus Hass und Eifersucht zu töten.

Um die Tötung nicht selbst ausführen zu müssen, will sie den B einspannen. Ihr gelingt es, B ihrem Plan entsprechend davon zu überzeugen, dass der Katzenkönig nunmehr ein Menschenopfer verlange und anderenfalls die ganze Menschheit vernichten würde. Dieses Menschenopfer müsse, verständlicherweise, die Ehefrau ihrer früheren Jugendliebe sein. B weiß zwar, dass die Tötung von Menschen an sich Unrecht ist, jedoch kann C ihn davon überzeugen, dass der „göttliche Auftrag“ des Katzenkönigs das Tötungsverbot in diesem Falle außer Kraft setze. A, der in C Pläne eingeweiht ist, übergibt B ein Messer und weist ihn genau an, wo und wann er die Tat ausführen soll. B besucht daraufhin die Frau und sticht mehrere Male von hinten auf sie ein. Anschließend verlässt er den Tatort in dem Glauben, er habe sie umgebracht. Entgegen B´s Annahme überlebt das Opfer jedoch den Anschlag.

 

 

Written by ninamarleen

14 Comments

Manuela

Sehr schön beschrieben. Ich habe vier Jahre lang in zwei renommierten Anwaltskanzleien gearbeitet und da alles mitbekommen. Es wurde keiner eingestellt, der aus der Kombination der 2 Staatsexamen nicht mindestens einen Durchschnitt von 9 Punkten hatte. Egal wie gut sich die Kollegen während des Referendariats geschlagen haben. Ist manchmal schon sehr trautig gewesen. Privatleben war auch so gut wie ausgeschlossen. Die meisten Leute sind innerhalb von 5 Jahren total ausgebrannt. Da hilft dann auch das ansehnliche Gehalt nichts mehr.

Trotzdem ziehe ich den Hut vor dir, dass du das so durchziehst – und ich bin auch davon überzeugt, dass man das nur mit voller Leidenschaft schafft. Gilt aber für viele Berufe (Ärzte, Lehrer, Altenpfleger, Kindergärtner etc) meiner Meinung nach.

Viel Glück weiterhin!

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ninamarleen

Ja das ist wirklich echt erschreckend, dabei sagt die Note überhaupt nichts über die Qualität als Anwalt aus – da das Studium einfach nichts mit dem späteren Beruf zu tun hat. Aber das ist ja leider in vielen Branchen so.
Danke dir :*

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Nicole

Super geschrieben! Genau so ist es und war es auch schon vor 18 Jahren, als ich mein Examen gemacht habe. Aber der ganze Stress lohnt sich. Ich liebe meinen Job und würde es immer wieder machen.
Ich drück Dir ganz fest die Daumen, dass alles so gut läuft, wie du’s Dir wünscht.
LG
Nicole

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lieschen_ju

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich folge dir auch bei Insta schon eine Weile 🙂 Dieser Artikel fasst das Jurastudium wirklich gut zusammen und ich werde es nun allen vorhalten^^ Das Schlimme ist… das zweite Examen wird noch schlimmer. Im Ersten war ich ziemlich ruhig, was aber auch daran lag, dass wir in Sachsen noch den „Freischuss“ haben. Dementsprechend ging das relativ entspannt … danach habe ich mich total aufs Ref gefreut, aber es war wirklich anstrengend. Unterricht (teilweise sinnloser), Ausbilder, Aufgaben für beide, zwischendrin lernen… Im ersten hatte ich 5 Klausuren und die mündliche mit Vortrag nun waren es 8 Klausuren in 12 Tagen.. Das hat mich wirklich richtig fertig gemacht. Die Noten bekommen wir erst im Oktober, knapp 4 Monate warten also. Die Hälfte ist rum und teilweise wache ich nachts auf, weil ich träume, versagt zu haben. Oder denke aus Versehen tagsüber daran – da wird mir gleich übel. Aber mir geht es wie dir – ich finde es nicht trocken, sondern unglaublich interessant und auch einige Ausbildungsstationen konnten mir das Geschäft schmackhaft machen. Erfahrungen der letzten Referendare zeigen aber leider, dass nach dem Examen erstmal eine kleine Weile Arbeitssuche folgt…. und davor fürchte ich mich auch ein wenig… egal, ich wollte das jetzt gar nicht so ausbreiten, aber es sprudelte förmlich 🙂

Alles in allem – vielen Dank für den Artikel. Wann möchtest du ins Ref gehen? 🙂

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ninamarleen

Ich will an das 2 Examen noch gar nicht denken, sonst verfalle ich jetzt schon in Panik. Ich hoffe ich bekomme im März einen Refplatz, bitte daumen drücken 😉

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Janey

Ja das stimmt. Das zweite ist noch schlimmer und im Referendariat hatte ich zum ersten Mal den Wunsch alles abzubrechen und habe alles bereut. Das war echt schlimm und die Motivation noch mal so zu lernen wie furchtbar das erste Examen war bei mir und vielen anderen einfach nicht mehr da. Die Luft war soooo raus, was wunder…Ich habe es schließlich doch durchgezogen. Und nach einer irrfahrt als Rechtsanwältin (das war nicht meins) bin ich heute Richterin an einem kleinen Amtsgericht. Und was soll ich sagen, es ist mein absoluter Traumberuf. Die Mühen waren es in meinem Falle wert und ich kann diesen Beruf nur jedem ans Herz Legen! Weiterhin ganz ganz viel Erfolg und Durchhaltevermögen. Und eine große Portion Glück!

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Marleen

Hallo Nina,

ein wirklich schöner Eintrag von dir! Ich war bisher immer ein stiller Fan von dir und verfolge mit Bewunderung auch deine Seite auf Instagram.

Du sprichst mir eigentlich aus der Seele. Ich studiere auch Jura und war bisher immer mit Leib und Seele dabei. Ich finde das Recht auch überhaupt nicht trocken, sondern eher faszinierend. Mich hat es begeistert mit welchen „Kniffen“ man im Zivilrecht doch noch zu einer vertretbaren Lösung kommt, was sich der Gesetzgeber bei den Paragraphen gedacht hat und die Antworten auf ein „Warum ist das so geregelt?“. Auch ich habe irgendwann beschlossen Jura zu studieren. Ich weiß auch nicht genau wieso. Klar war für mich immer, dass ich Menschen helfen und unterstützen möchte. Unterstützen an den Stellen, an denen sie nicht weiter wissen und jemanden brauchen, der den Weg durch den Dschungel kennt. In welchem Bereich genau ich später arbeiten möchte habe ich nie festgelegt. Eigentlich kann ich mir alles vorstellen, weil jedes der drei Rechtsgebiete etwas spannendes enthält.
Ich lebe nun eigentlich meinen Traum: Jura studieren. Dass es hart wird, wusste ich. Und ich war immer der Meinung, dass man mit viel Fleiß, Willensstärke und Herzblut seine Ziele immer erreichen wird.
Im April diesen Jahres bin ich also angetreten. Ich war bereit zu schreiben und ich wollte schreiben. Man muss ja auch irgendwann vorwärts kommen ;). Ich hatte eine ähnliche Zeit durch wie du. Dann die sechs Klausuren, knapp vier Monate Wartezeit und dann das Ergebnis: Durchgefallen. Die Welt ein großer Trümmerhaufen. Der Traum zerplatzt. Das ganze Studium sinnlos.
Nach dem ersten Tal der Tränen habe ich mich relativ schnell aufgerappelt und einen Plan gemacht wie ich das Lernen angehen sollte. Es gibt zum Beispiel einen Kurs für gescheiterte Examenskandidaten. Für den habe ich mich auch gleich angemeldet. Ich sitze jetzt wieder im Probeexamen von meiner Uni, um meine Auflagen zu erfüllen, damit ich mich irgendwann wieder anmelden kann. Oktober 2017 habe ich mir zum Ziel gesetzt.
Aber irgendwie habe ich den Glauben verloren. Den Glauben, dass der Fleiß und das Herzblut einen weiterbringen. Es wird ja auch ständig gesagt, dass das Examen so viel mit Glück zu tun hat. Aber das kann es doch nicht sein, oder? Klar muss man Glück haben, dass ein Thema kommt, das einem liegt aber eine reine Glücksache wage ich zu bezweifeln. Also verliere ich den Glauben an meine Fähigkeiten und denke darüber nach alles hinzuwerfen. Jetzt gerade verfluche ich Jura und das Examen, dabei war das eigentlich meine Welt. In der habe ich mich immer wohl gefühlt.
Warum jammere ich dir jetzt also die Ohren voll? 🙂 Ich habe deinen Eintrag gelesen und mich darin wiedergefunden. Ich bin eigentlich ein Stehaufmännchen aber das Aufstehen fällt mir gerade besonders schwer.
Da wir also eigentlich eine Passion teilen und du eine Kämpfernatur bist, dachte ich, dass du mir unter diesem super mega langen Kommentar (ich hoffe das war okay) irgendetwas da lässt, das mir beim Aufstehen hilft. Ich vermute, dass du am ehesten nachvollziehen kannst wie es mir geht, auch wenn du das Examen geschafft hast.
Wenn dir der Kommentar viel zu lang ist und meine Frage zu „dreist“, zu aufdringlich oder auch einfach nicht zu beantworten, dann darfst du den natürlich auch gern ignorieren.
Ansonsten: Hast du einen kleinen Tipp oder aufmunternde Worte so von Stehaufmännchen zu Stehaufmännchen? 🙂 Oder von passionierter Juristin zu passionierter Juristin?

Ganz liebe Grüße,
Marleen

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AnnaLucia

Echt erschreckend! Ich habe mir zwar schon so viele Seiten zu diesem Thema angeschaut, bin aber immer wieder auf’s neue erschüttert!
Ich hab auch vor im Oktober mit Jura anzufangen. Allerdings befinde ich mich noch in Ausbildung zur Krankenschwester, so habe ich zumindest etwas in der Hinterhand!

Vielen Dank für den ehrlichen Blogpost!
Liebste Grüße
AnnaLucia
http://annalucia.de/

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ninamarleen

Und du bist als Jurist unfassbar geeignet, weil du ANONYM anderen Menschen die du persönlich nicht kennst sagst sie seien ungeeignet für den Beruf?
Gut, dass du das so gut beurteilen kannst wie geeignet andere Menschen sind. Einfach nur unfassbar widerlich dein Charakter. Arrogant und eingebildet hoch 10, aber zu feige seinen Namen zu veröffentlichen. Du wirst es mal ganz weit bringen.

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Britta

Wenn ich etwas gelernt habe, dann das, diejenigen die es nur mit Ach und Krach geschafft haben, waren oft die besseren Juristen, weil sie nicht so verkopft waren. Natürlich ist dieser Blog in einer gewissen Stimmug geschrieben, aber das muss man aushalten. Ich finde es besser jemandem diese Erfahrungen mitzugeben, als sie in Sicherheit zu wiegen. Geeignet ist, wer trotzdem denkt, dass dies sein Weg ist.

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Britta

Es tut mir echt leid, wie sehr Dir das Ganze zu schaffen gemacht hat, aber ich verstehe Dich. Ich wollte Juristin werde, seit ich als Kind Verkehrsgericht/Ehen vor Gericht und Wie würden Sie entscheiden gesehe habe. Das war noch vor der Zeit der Gerichtsshows, niveauvollere Information. Ich hab zur Absicherung zunächst eine Ausbildung gemacht, erst da habe ich auch das Selbstbewusstsein bekommen, es zu versuchen. Die Ausbildung war zunächst eine gute Schule, ich konnte mich besser strukturieren, als ich es vor dem Studium bekommen hätte. Auch uns wurde Angst gemacht. Examen in Sachsen höchste Durchfallquote und niedrigste Durchschnittsnote. Im Freischuss bin ich auch erstmal durchgerasselt, weil ich in der Vorbereitung krank war. Im zweiten bin ich dann zum Glück durchgekommen. Aber auch nicht glorios. Eins wusste ich dann, ich werde das zweite Examen woanders machen. Bundesländer vergleichen und entschieden es geht nach Niedersachsen. Aufgrund der abweichenden Durchschnittsnoten war ich sicher, dass ich keine Stelle kriege und habe ein Jahr befristet bei der Familienkasse als Rechtsbehelfssachbearbeiterin gearbeitet. Ein Traum, Geld verdienen und das Gelernte anwenden, aber auch hier konnte ich nur so gut starten, weil ich schon selbständig gearbeitet hatte, jünger und ohne Erfahrung wäre es vielleicht nicht so gewesen. Ich fand das zweite Examen entspannter, weil man sein Wissen angewandt hat, man hat gesehen, dass man praktisch vielleicht besser ist als theoretisch oder anders rum und seine Neigungen vertiefen. Examen ist Examen und war Mist, besonders wenn man Prüfungsangst hat, hier konnte ich aber mündlich mehr reissen. Es stimmt, dass Noten wichtig sind, aber auch da entwickeln sich alternative Wege. Ich selber habe durchschnittliche Examen und habe als ersten richtigen Job eine Familienkasse geleitet, da hat mir mein Exkurs nach dem ersten Examen geholfen und dann bin ich Personalleitung im Gesundheitswesen geworden. Ich habe ein gutes nicht überragendes Einkommen und arbeite viel. Das geht, weil ich liebe was ich mache und das kann ich nur machen, weil ich Jura studiert habe. Zum Glück muss ich aber nicht nur Jura machen, ich habe meine Nische gefunden. Jeder, der liebt was er tut schafft es und kann auch mit einer durchschnittlichen Note einen guten Job finden und überzeugen. Vertraut euch einfach!

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ninamarleen

Liebe Britta,
tausend Dank für diese tolle Nachricht. Jeder hat eben sein eigenes persönliches Empfinden – ich war kein Prädikatskandidat, habe in der Familie keinen Juristen der mir irgendwie helfen konnte und habe im Studium auch keine 18 Punkte um mich geworfen. Für mich & eben auch für viele Andere war das Studium bzw. das Staatsexamen nun mal schlichtweg ’scheiße‘. Ich habe hier teilweise wüste Anfeindungen erhalten, dass ich doch irgendwas mit sozialer Arbeit machen solle, da ich aufgrund meines Artikels hier völlig ungeeignet für den Beruf wäre und es kamen auch Nachrichten, dass ich einfach zu dumm für Jura wäre. Menschen können ekelhaft sein und bereits fertige Juristen oder gar Volljuristen noch viel mehr. Neid und Konkurrenz stehen an der Tagesordnung.
Umso mehr hat mir dein Kommentar gefallen! Also an dieser Stelle noch mal: DANKE!
Ich habe mich nun auch für ein Referendariat in Niedersachsen entschieden und denke, dass es eine gute Wahl war 🙂
Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute!
Liebe Grüße, Nina

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Sophie Gerber

Danke für diesen Beitrag, ich finde deinen Blog richtig toll! Ich mache dieses Jahr Abi und möchte danach Jura studieren und Rechtsanwalt werden. Ich lese sehr gerne was du so berichtest 🙂
LG Sophie

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